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10/06/2026

Magazin_Vogel

WiesenObst - ein Paradies für seltene Vögel

Halsbandschnäpper, Neuntöter, Wendehals oder Rotkopfwürger - das sind nicht die neuen MMA Cage Fighting Stars, sondern bei uns inzwischen selten gewordene Vogelarten. Selbst der Neuntöter, auch Rotrückiger Würger genannt, ist ein Singvogel und kein brutaler Killer: gibt es Nahrung im Überschuss, spießt er die erlegten Insekten rein aus Gründen der Vorratshaltung auf Dornen auf. Ein Phänomen, das es kaum noch zu beobachten gibt. Insekten sind rar geworden - oder wann haben Sie das letzte Mal nach einer Autobahnfahrt einen Insektenschwamm zum Reinigen der Windschutzscheibe gebraucht? 

Wir sind es gewöhnt, dass in Supermärkten und selbst an den Ständen auf dem Wochenmarkt makelloses Obst und Gemüse angeboten wird. Und das ist nur möglich, indem die Landwirte entsprechend viele Pestizide einsetzen - nicht nur der Wurm im Apfel hat keine Chance, Schädlinge und Nützlinge sind gleichermaßen betroffen.


HABITAT STREUOBSTWIESE 

Ihre volle Pracht stellen die WiesenObst Bäume im Frühjahr zur Schau, wenn die Stämme im Meer weißer und zart rosafarbener Blüten verschwinden. Aber auch wer zu einer anderen Jahreszeit zwischen Reutlingen und Göppingen entlang des Albtraufs unterwegs ist wird der hohen, alten Bäume mit ihren breiten Kronen gewahr, sowie der Graslandschaft in der sie stehen. Dass das so ist hat viel mit dem fünfjährigen LIFE+ Projekt zu tun an dem auch die Manufaktur Jörg Geiger beteiligt war. Vogelschutz war das erklärte Ziel, das sich am besten durch ein reichhaltiges Angebot von Nahrung, Wohnraum und Freizeitmöglichkeiten erreichen lässt - welcher Singvogel mit wohl gefülltem Magen kann der Versuchung widerstehen, von einem hohen Ast eine Arie zu schmettern, die interessierte Artgenossinnen auf einen hervorragenden Nistplatz hinweist? Streuobstwiesen kombinieren zwei ganz unterschiedliche Lebensräume, stellten die am LIFE+ Projekt beteiligten Wissenschaftler fest: "oben ein lichter Baumbestand aus Obstbäumen, und darunter Wiesen und Weiden. In dieser Lebensraum-Kombination fühlen sich sowohl Arten der Wälder als auch Arten halboffener bis offener Landschaften wohl".

VIELE DER WIESENOBST BÄUME SIND 80 ODER SOGAR ÜBER 100 JAHRE ALT, BESONDERS IN ALTEN APFELBÄUMEN GIBT ES REICHLICH NISTHÖHLEN. INSGESAMT BIETEN STREUOBSTWIESEN HABITAT FÜR MEHR ALS 5.000 TIER- UND PFLANZENARTEN.


UNGENUTZTE CHANCEN 

Streuobstwiesen werden extensiv genutzt, der Einsatz von Kunstdünger und Herbiziden lohnte sich auch finanziell nicht, und das bedeutet gute Überlebenschancen für Insekten - und ein reiches Futterangebot für Vögel. Auch seltene Pflanzen, Moose und Flechten gedeihen hier. Viele der WiesenObst Bäume sind 80 oder sogar über 100 Jahre alt, besonders in alten Apfelbäumen gibt es reichlich Nisthöhlen. Insgesamt bieten Streuobstwiesen Habitat für mehr als 5.000 Tier- und Pflanzenarten. Streuobstwiesen sind im Vergleich zu modernen Obstanlagen unrentabel, in den letzten Jahrzehnten sind die Flächen deshalb stark zurückgegangen. Die Bäume auf den noch existierenden Obstwiesen werden nicht oder nur unzureichend gepflegt, weshalb sie vorzeitig altern oder gar absterben, und dort, wo die Wiesen nicht beweidet oder regelmäßig gemäht werden, nimmt die Biodiversität ab. Niemand zieht freiwillig in ein runtergekommenes Viertel - das gilt auch für Vögel!

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"DEMONSTRATIONSPROJEKT CHAMPAGNER BRATBIRNE" 

Um das Habitat Streuobstwiese zu erhalten muss sich die Pflege von WiesenObst Bäumen finanziell lohnen, und angesichts der Klimakrise muss die Resilienz gestärkt werden. Die Manufaktur zahlt von jeher deutlich höhere Preise für Äpfel und Birnen, um auch das Element des Naturschutzes zu honorieren. Für das LIFE+ Projekt sollte es aber vor allem um die Zukunft alter Birnensorten wie der wertvollen Champagner Bratbirne gehen, die, mitbedingt durch die Klimakrise, immer häufiger von Krankheiten wie Birnenverfall und Feuerbrand betroffen werden. Damit begann die Suche nach krankheitsresistenten Unterlagen für alte Mostbirnensorten. In Europa waren keine geeigneten Hochstammunterlagen zu finden, fündig wurde die Manufaktur schließlich in Oregon, an der US Westküste. Auf 11 Hektar Fläche wachsen jetzt 12 alte Mostbirnensorten auf Unterlagen aus dem Pazifischen Nordwesten. In Zusammenarbeit mit der NABU-Ortsgruppe wurde die Neupflanzung gleichzeitig als ideales Vogelhabitat angelegt: 100 Sitzstangen wurden aufgestellt und 125 Nisthilfen befestigt, die jährlich gesäubert und gewartet werden. Reisighaufen bieten Unterschlupf, Wildhecken locken Heckenbrüter an, und nasse Geländemulden blieben als Kleinbiotope erhalten. Das Projekt der Manufaktur zeigt wie moderner, extensiver Obstbau aussehen kann, der Fruchtqualität, Vogelschutz und Biodiversität verbindet. Für den 2016 gegründeten WiesenObst e.V. wurden die relevanten Maßnahmen in einen Kriterienkatalog übernommen. In regelmäßigen Fortbildungen geht es um Baumschnitt, und die Manufaktur veranstaltet nicht nur Begehungen des LIFE+ Mostbirnenprojekts, sondern auch Kurse und Informationsabende zum Thema Bodenverbesserung und Biodiversität.

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DAS PROJEKT DER MANUFAKTUR ZEIGT WIE MODERNER, EXTENSIVER OBSTBAU AUSSEHEN KANN, DER FRUCHTQUALITÄT, VOGELSCHUTZ UND BIODIVERSITÄT VERBINDET.


12 JAHRE NACH DEM LIFE+ PROJEKT

 Heute, über ein Jahrzehnt später, ist das 'Demonstrationsprojekt Champagner Bratbirne' mit dem sich die Manufaktur am LIFE+ Projekt beteiligte nicht nur zu einem wertvollen Genpool alter Sorten geworden, die Anlage ist inzwischen längst auch ein etabliertes und vielfältiges Habitat für Vögel, Kleintiere und Pflanzen. Die von der Manufaktur damals gepflanzten Bäume sind zu imposanten Hochstämmen herangewachsen. Fast waldartig präsentiert sich die strukturreiche Landschaft aus Birnbäumen – viele davon inzwischen über acht Meter hoch, tief verwurzelt und mit breiten Kronen. Die Bäume wechseln langsam in ihre generative Phase: Sie reduzieren ihr vegetatives Wachstum und setzen mehr Energie in die Fruchtbildung um.

LANGFRISTIGE WIRKUNG – BIODIVERSITÄT BRAUCHT GEDULD UND PFLEGE 

Das LIFE+ Projekt hat beispielhaft gezeigt, wie sinnvoll und nachhaltig die gezielte Anpflanzung alter Mostbirnensorten mit Blick auf ökologische Vielfalt sein kann. Alte Obstsorten bringen nicht nur aromatische Vielfalt, ihre vielfältige Genetik ist besonders im Hinblick auf Resilienz gegenüber Krankheiten, Schädlingen und klimatischen Extrembedingungen von Bedeutung. Neben der Erhaltung der Sortenvielfalt stand von Beginn an der Erhalt und die Entwicklung des Habitats Streuobstwiese im Zentrum. Durch Nisthilfen, extensives Mähmanagement, die Pflege alter Bäume und die Anlage strukturreicher Saumbereiche konnte ihre Rückkehr aktiv unterstützt werden. Fazit: Das LIFE+ Projekt hat weit über seinen Förderzeitraum hinaus Wirkung entfaltet. Es zeigt eindrucksvoll, wie traditioneller Obstbau, naturnahe Pflege und moderner Naturschutz ineinandergreifen können – wenn man ihnen Zeit, Aufmerksamkeit und Wertschätzung gibt.

KRANICHE UND KORK 

Auf vielen Produkten der Manufaktur finden Sie Korkverschlüsse und natürlich unterstützen wir die KORKampagne². Kork stammt aus ökologisch und nachhaltiger Bewirtschaftung von Korkeichenwäldern im Mittelmeerraum. Sie sind Habitat für seltene Vögel, Tier- und Pflanzenarten und Rastplatz für viele Zugvögel. Laut NABU erholen sich dort jährlich zwischen November und Februar bis zu 100,000 Kraniche vor dem Weiterflug. Bereits 1994 rief der NABU Hamburg die KORKampagne ins Leben: gebrauchte Korken können an Sammelstellen in der gesamten Bundesrepublik ³ abgegeben werden - auch wir nehmen selbstverständlich gebrauchte Korken an. Sie werden zu Dämmgranulat für den ökologischen Hausbau verarbeitet und der Erlös aus dem Verkauf fließt in Kranich- und andere Naturschutzprojekte in Spanien.