Bordeaux Tradition trifft Schwäbisches WiesenObst
Château Lamothe liegt etwa 30 km nördlich von Bordeaux und 12 km Luftlinie von Margaux und Pauillac entfernt in der Appellation Côtes de Bourg in der Gironde. Hier herrscht ein gemäßigtes, vorwiegend ozeanisches Klima mit relativ gleichmäßig über das Jahr verteilten Niederschlägen. Aus geologischer Sicht zeichnet sich das Bourgeais durch einen kalkhaltigen Untergrund mit Mergelschichten aus. Die Hänge entlang der Dordogne sind mit Schluff bedeckt, während das Hinterland Böden aufweist, die aus Sand und Kies aus Pugnac bestehen.
Am „Rive droite“ gelegen werden klassisch die Rebsorten Merlot, Cabernet Sauvignon und Malbec angebaut. Wie im Dornröschenschlaf und aus einer anderen Zeit liegt das Chateau umgeben von Weinbergen, Obstwiesen und Wäldern. Auf den rund 30 Hektar des Weinguts sind heute rund 20 Hektar mit alten Weinstöcken bestockt, die Mehrzahl älter als 30 Jahre. Dieses seltene Schmuckstück wurde im 18. Jahrhundert erbaut und 124 Jahre lang von der Familie Pousse Pessonnier mit einer tiefen Liebe zu dieser Region und ihrem Wein gepflegt. Im Jahr 1900 erwarb der Urgroßvater François Pessonnier, der bereits Winzer in Lansac war, das Château Lamothe und seine Weinberge. Mitte des 19. Jahrhunderts verhalf der Besitzer von Château Lamothe, der Bordeaux-Weinhändler Pierre Charpentier, den Weinen von Château Lamothe zu einem besonde ren Aufschwung, indem er
sie in die Vereinigten Staaten exportierte, wie eine Flasche aus mundgeblasenem Glas beweist, die bei Ausgrabungen in der Region Sacramento gefunden wurde. In der 1868 erschienenen zweiten Ausgabe von Bor- deaux et ses Vins erwähnte Charles Cocks das Château Lamothe unter den „crus bourgeois“ der Côtes de Bourg. Das Château, das von seinen Ende des 18. Jahrhunderts errichteten Weinkellern umgeben ist, stellt ein authentisches architektonisches Ensemble dar, das wir bewahren wollen und mit neuen Ideen wieder aufleben lassen.
Ein Ort der Stille
Inmitten sanfter Hügel, wo das Licht der Dordogne die Land- schaft vergoldet und Zypressen mit der Brise flüstern, liegt das Château Lamothe und die große Zeder – ein Refugium der Ruhe, ge- schaffen für den Wein und die Zeit. Hier, fern von Eile und Lautstärke, verbinden sich Natur und Kultur zu einem har-monischen Gleichklang. Jeder Morgen beginnt mit Nebelschleiern über den Reben, jeder Abend endet in einem Schimmer aus Kupfer und Gold. Was zunächst wie eine Idylle erscheint, ist in Wahrheit ein Ort des konzentrierten Schaffens. Zwischen alten Reben, handverlesenen Trauben und den Spuren vergangener Generationen entsteht ein Weinverständnis, das auf Geduld, Sorgfalt und Herkunft gründet. Jörg Geiger hat diesen Ort gewählt, um eine Brücke zu schlagen – zwischen der Kultur des Südwestens und der Präzision des Handwerks, zwischen französischem Terroir und schwäbischer Leidenschaft für das Authentische. So wird Lamothe nicht nur zu einem Château, sondern zu einem Symbol des Verbindens: von Landschaft und Mensch, Geschichte und Zukunft, Genuss und Bewusstsein.
Regenerative Landwirtschaft
Auf Château Lamothe beginnt ein neuer Abschnitt der Bewirt- schaftung: die systematische Umsetzung regenerativer Landwirtschaft. Ziel ist eine dauerhaft gesunde, lebendige Bodenstruktur, auf der künftig neben Reben auch Birnenbäume gedeihen sollen.
Im ersten Schritt wurde der Boden tiefgründig gelockert, um Verdichtungen zu lösen, die Wasseraufnahme zu verbessern und Sauerstoff ins Erdreich zu bringen. Parallel kamen Effektive Mikroorganismen (EM) zum Einsatz – ein Zusammenspiel aus Bakterien, Hefen und Pilzen, das das Bodenleben aktiviert und das mikrobielle Gleichgewicht stärkt.
Anschließend wurde die Grasnarbe oberflächlich bearbeitet und eine artenreiche Begrünung eingesät: Phacelia, Ölrettich und Buchweizen sorgen für Durchwurzelung, organische Substanz und neue Impulse für den Humusaufbau. Buchweizen liefert zudem pflanzliche Fette – ein oft übersehener Beitrag zu stabilen Bodenstrukturen.
Diese Begrünung schafft die Grundlage für klimastabile, widerstandsfähige Böden und bereitet die Weinberge nicht nur auf neue Rebzeilen, sondern auch auf die Pflanzung von Bäumen. So entsteht ein Landschaftsbild, das Weinbau und Obstkultur auf natürliche Weise miteinander verbindet.
Die Philosophie - im Einklang mit Natur und Kultur
Hinter jedem Wein von Lamothe steht ein Gedanke: dass wahre Qualität nicht entsteht, wenn man die Natur beherrscht, sondern wenn man mit ihr arbeitet. Die Philosophie ist einfach und anspruchsvoll zugleich – sie folgt dem Prinzip des Gleichgewichts. Der Boden wird nicht überfordert, sondern genährt. Die Rebe wird nicht gezwungen, sondern geführt. Und jeder Eingriff dient dazu, das zu bewahren, was von sich aus vollkommen ist. Jörg Geiger verbindet hier französische Weintradition mit seiner schwäbischen Herkunft – mit der Haltung des Handwerkers, der nichts dem Zufall überlässt, aber auch nichts erzwingt. So entsteht eine Kultur der Achtsamkeit: von der Begrünung zwischen den Rebzeilen über die Biodiversität in den Böschungen bis hin zum behutsamen Einsatz von Holz und Zeit im Keller.
Der Stil - Eleganz mit Tiefe
Ein Wein von Lamothe ist nie laut, aber er bleibt im Ge- dächtnis. Er spricht mit der Stimme seiner Herkunft – ruhig, klar und voller Schichten. Die Stilistik folgt keinem Trend, sondern einer inneren Überzeugung: dass wahre Größe aus Balance entsteht. Zwischen Frucht und Struktur, Frische und Reife, Spannung und Ruhe. Jede Cuvée trägt die Handschrift des Terroirs – kalkig-mineralisch, fein gewoben, mit jener kühlen Eleganz, die nur aus Geduld wächst. Im Glas entfaltet sich eine stille Intensität. Es sind Weine, die sich nicht aufdrängen, sondern offenbaren – Schluck für Schluck, Moment für Moment. Sie begleiten das Mahl, nicht um zu dominieren, sondern um zu verbinden: Speise, Gespräch, Gefühl. So steht der Stil von Château Lamothe für eine neue Form von Klassik – geerdet, sensibel, kompromisslos in der Qualität, doch von einer Leichtigkeit getragen, die berührt statt beeindruckt.
Premier 2007
Ein gereifter Rotwein mit offener Fruchtnase, harmonischem Spiel von Tannin und Frucht im Auftakt, frischer Mitte und anhaltendem Abgang.
Premier 2014
Ein ausdrucksstarker Klassiker mit reifem Zwetschgenaroma, würzigen Zimt- und Tabaknoten, kraftvollem Auftakt, samtigen Gerbstoffen und langem, Abgang.
Premier 2020
Ein saftiger Rotwein mit intensiver Frucht von Amarena-Kirsche, Heidelbeere und Cassis, beerigem Auftakt, auskleidenden Tanninen und langem, harmonischem Abgang.
Grande Réserve 2014
Ein eleganter Roter mit kühler Nase nach Minze und Eukalyptus, vollem Auftakt, geschmeidiger Struktur und langem, angenehm frischem Abgang.
Grande Réserve 2015
Ein vollmundiger Rotwein, kräftig, tief, konzentriert mit kühler Nase nach Minze und Eukalyptus, ausgewogener Struktur und langem, angenehm weichem Abgang.
Grande Réserve 2016
Ein kraftvoller roter Wein mit herbstlichen Rumfrucht- und Eukalyptusnoten, würzigem Geschmack, reifen Tanninen und langem Abgang.
Grande Réserve 2018
Ein konzentrierter Rotwein mit komplexer Nase nach Brombeere, dunkler Schokolade und würzigem Holz, frischem Auftakt, markanter Tanninstruktur und langem Abgang.
Grande Réserve 2022
Ein charaktervoller, junger Rotwein mit zurückhaltender Nase, dezenten Holznoten, kernigem Auftakt, lebendigem Mundgefühl, ausgewogener Mitte und langem Nachhall.
Malbec 2020
Ein kraftvoller Roter mit reifen Brombeeren, Schattenmorellen und feinen Tabaknoten, frischer Säure, festen Tanninen und salzig-mineralischem Nachhall.